top of page
 
  home  |  kontakt  |  impressum  |  sitemap  |   SUCHE


  Es brennt Löcher in meine Gedanken

  Guide4You      

  Event           

  Entertainment

  Lifestyle      

  Chat             

  TeeJott Showroom

  Love             

  Travel          

  News & Stories

  With Compliments

  Archiv          

  Esoterik       


Was haben Sie den Frauen mit Ihrer Mode bislang beschert?
Meine frühen Arbeiten haben immer gesagt: Frauen sollen sich auch wie Männer anziehen dürfen. Frauen in Japan hatten damals zu meiner Studienzeit immer Kostüme an und sahen aus wie Puppen. Ich fand das nicht gut. Gleichzeitig dachte ich: Frauen in Militäruniformen, wie sexy!

Sie sagen: Schönheit resultiert aus Makeln, Fehlern, Unzulänglichkei-ten, Zufällen. Warum?
Wenn die Dinge zu perfekt anliegen, wirkt alles wie eine Skulptur, nicht wie Mode. Anders gesagt – und erlauben Sie mir jetzt mal, kindisch zu werden: Ich habe mich nie in Models verliebt. Die sehen aus wie Maschinen, nicht wie Menschen. Ich sehe immer nur die Fehler, die Schwächen, das Unperfekte. Das zieht mich an.

Ich nenne Ihnen jetzt einige Begriffe, und Sie sagen mir, was Sie damit verbinden, einverstan-den? Der erste lautet Minimalis-mus.
Nur ein anderes Wort für Faulheit.

Deutsche Kultur?
(Lacht). Deutsche Kultur?

Adidas, Pina Bausch, Heiner Müller, Barenboim, Bayreuth?
Und Wim Wenders.

Ja, der auch. Gibt es etwas an der deutschen Mentalität, der deut-schen Art zu denken, das Ihnen gefällt?
Über die Frage denke ich viel nach. Warum habe ich so viel mit Deutschen zu tun? Wissen Sie, ich glaube, es ist ganz einfach so gewesen, dass ich bei all den von Ihnen genannten Leuten gleich in der ersten Sekunde, im ersten Moment, in dem ich sie traf, dachte oder besser fühlte: Ich kenne denjenigen schon, wir kennen uns von früher, aus einer anderen Zeit. Es gibt da etwas, das wir teilen. So etwas Vertrautes gab es da, wie wenn man sich lange kennt. So was wie Telepathie, wenn Sie so wollen. Affinität. Man muss nicht viel reden.

Und noch ein letzter Begriff: Wagner.
Tristan und Isolde. Heiner Müller wollte alle Konventionen der Oper niederreißen. Eine neue Oper erfinden. Er gab mir den Auftrag, mit fast allen Regeln zu brechen, und ich gab mir alle Mühe, dies zu tun. Heute kommt es mir so vor, als wären wir damals kleine Kinder gewesen, und wir schrien gegen eine sehr hohe und starke Mauer an: die Tradition.

Noch einmal: Warum tauchen so viele Deutsche in Ihrer Biografie auf?
Keine Ahnung.

Wie war das mit adidas? Warum nicht Nike?
Die fand ich angenehm unmodisch. Nike war mir immer irgendwie zu modisch, zu schnell.

Adidas: verschlafen, deutsch…
Handwerk. Tradition. Erbe. Die drei Streifen.
  Wie sind Sie überhaupt mit Adidas zusammengekommen? Einfache Geschichte. Ich wollte Turnschuhe in meine Kollektion aufnehmen und bat meinen Assistenten, bei adidas anzurufen. Der Rest kam von selbst. Keine Verträge. Einfache Zusammenar-beit. Jeder half dem anderen. Geben und Nehmen. Mit der Zeit wurde die Sache immer ernster. Adidas wollte, dass ich Teil der Firma werde, dass ich eine Kollektion für sie entwerfe, dann kam es zum Vertrag, jetzt arbeiten wir zusammen.

Haben Sie sich mit der Firmenge-schichte beschäftigt?
Ich bekam damals eine Führung durch das Archiv, was mich sehr inspiriert hat. Ich mag alte Dinge. Ich war zwar ein Anfänger im Bereich der Sportmode, Sportschuhen, aber eins war mir von Anfang an klar: Die Sachen, die es da auf dem Markt gibt, die sind scheußlich. Das kann nur besser werden. Ich machte einen Besuch im Nike-World-Geschäft in New York, stand vor den Regalen und musste laut schreien, so hässlich fand ich das alles. Die Schuhe kamen mir vor wie Monster. High-Technology-Monster.

Manche sehen aus wie Computer, Ghettoblaster.
Prothesen. Künstlich.

Wie sieht Ihr Turnschuh aus?
Weniger wie Monster.

Hat Ihre Arbeit einen Bezug zu unserer Gesellschaft, Politik, Welt?
Ich sage: Setz dich hin, beruhig dich, du drehst dich in einem Karussell, das sich zu schnell dreht. Die Mode hat den Respekt vor der Kleidung verloren. Mein Job ist es, den Respekt für die Kleidung zurückzugewinnen. Merchandising und Werbung sind zu stark, zu dominant geworden in den vergangenen Jahren. Ich sage: Moment, macht mal halblang!

Frisst sich das System selbst?
Die Schönheit verschwindet.

Warum?
Die Beschleunigung der Dinge verhindert es, dass man darüber nachdenkt. Zweifel werden ausgeschlossen. Alle folgen. Bis alles allem ähnelt. Eine Art Gleichschaltung.

Mit Marken.
Ja, genau. Logos gehen um. Marken. Seelenlose, von Maschinen gefertigte Marken.

Schon mal ans Aufhören gedacht?
Ja, gerade vor zwei Jahren.

Und?
Ich litt. Ich kämpfte gegen den Gedanken. Dann dachte ich mir: Komm rein, Gedanke. Plötzlich war mir alles egal. Ich machte weiter. Aber in Wirklichkeit machen Sie hier gerade ein Interview mit einem Designer, der sich längst zur Ruhe gesetzt hat.

Machen Sie Sport? Außer Kung-Fu?
Ich mache kein Kung-Fu. Ich mache nur Karate. Kein Tennis, Fußball, Joggen. Karate ist mein Ding, weil es für mich wie Klavierspielen ist. Klavierstunden nehmen. Ich mag das. Seit zwölf Jahren...

...weiter